Etappe 11 – gesponsert von Gemsay Generalplanungen AG – 203 Km / 2’134 Hm

Start:                                               09h15 Steinkjer
Ziel (Ankunftszeit):                         18h45 Soknedal
Fahrzeit im Sattel (Tag/Total):         7h43  / 64h57
Durchschnitt:                                   26.3 Km / Std
Gefahrene KM (Tag/Total)*:           203 Km / 1’744 Km
Absolvierte HM (Tag/Total)*:       2’134 Hm / 17’657 Hm 

*Abweichungen zur Übersicht entstehen infolge Tunneldurchquerungen, die nicht aufgezeichnet werden

Eine heftige Reaktion auf die gestrige Kurzetappe – grosses Kino. Erste Durchquerung einer grossen Stadt. Geräusch an Maximus lokalisiert!

Wie verbraucht man in knapp 8 Stunden mehr als 10’000 Kalorien – ganz einfach man schreibt einen Blog – nein Spass beiseite – man liefert „grosses Kino“ ab, so wie wir das heute einmal mehr gemacht haben. Ihr könnt die Details oben sehen – 203 Km und 2’134 Hm sind nicht so wenig für einen Bergfloh wie mich. Aber alles schön der Reihe nach.

Gestern hatten wir schon etwas ein schlechtes Gewissen und intern hat der gestrige Tag gar nicht gezählt – wenn schon, dann als Ruhetag. Wir waren also gefordert für heute und Thor hatte so einiges Gut zu machen für uns und das lieferte er bereits am Morgen früh mit Sonnenschein. In dieser Euphorie legten wir beim Start den Lunchhalt bei 80 km fest und nach gut 45 Km (wir trafen gerade auf den Mercedes und die Crew) wurde dieser auf Km 100 fixiert. Wir wollten heute 170 km machen und dabei Trondheim passieren – wenn man eine Stadt von dieser Größe passiert kann vieles passieren, denn wir Radler können ja nicht einfach die Umfahrungs- oder Durchquerungsautobahn nehmen.

Je näher wir auf der E6, unserer geliebten E6, die uns seit dem Nordkapp die Richtung gewiesen hat, uns Trondheim näherten, umso mehr nahm der Verkehr zu. Es leben die schlauen Norweger, denn diese habe nun viel mehr Radwege und Nebenstraßen für uns bereit, so dass wir entspannt einmal links und einmal rechts fahrend der E6 folgen können. Dies ganz zum Leidwesen von unserem Fotografen Ueli, denn er wusste nicht mehr so genau, wann und wo wir erscheinen.

Sehr gut kamen wir vorwärts und stellten fest, wie die Gegend immer mehr besiedelt und urbanisiert ist. Natürlich wäre die E6 die einfachere Lösung, denn diese geht direkt, während wir den einen oder anderen Höhen- und Kilometer mehr machten. Nach genau 104 Km wartet die Crew und die Verpflegung auf uns. Nur rasch die Winterkleider (lange, warmen Hosen und Unterleibchen) weg und rein die kurzen Hosen mit Stulpen, denn es war nun etwas mehr als 13 Grad – also schon fast heiss. Wir fühlten uns gut, gemäss Wetter-App war etwas Regen so ab 16h00 angesagt, so dass wir uns zutrauten noch gut 80 km in Angriff zu nehmen und wir standen ja bereits 20 Km vor Trondheim.

Habe gar nicht gewusst, dass Trondheim sich fast wie San Francisco „anfühlt“ – rauf und runter ging es die ganze Zeit und wir versuchten immer irgend wie der grossen E6 zu folgen, was mit den kleinen Velocoumputer von Garmin, gar nicht so einfach ist. Unser bereits schön eingefahrener Durchschnitt von fast 29 KmH, schmolz nur so vor sich hin – nicht in der Sonne, denn diese verkroch sich immer mehr hinter dicken, dunklen Wolken. Natürlich haben wir uns auch ein paar Mal verfahren und als wir die Stadt hinter uns gelassen haben, zeigte der Tacho bereits 150 km an – nicht schlecht, also nur noch 30 bis ins Ziel.

Wir merkten dann aber bald, dass es wohl etwas mehr als 30 Km sind und da fuhr ein Mountainbiker zu uns auf und hängte sich an uns. Das ist etwas, dass Marcus liebt und anstachelt, was bedeutet, dass er auf die Tube drückte. Der ältere Herr blieb aber scheinbar mühelos dran – im Gegenteil in einer Gegensteigung, als ich noch kurz ein Foto machen wollte, zog er an uns vorbei. Wenn Marcus ein Rüebli vor sich hat, dann will er das haben…… also Kette rechts und Vollgas bis wir wieder dran waren und zum Überholen ansetzten. Nun sprach er uns an und fragte uns, ob er im Sog mitrauschen dürfe und so kamen wir ins Gespräch. „Ja wo wollt ihr hin“ – „Nach Gibraltar“ – „WAS? – ähm und wo kommt ihr her“ – „ja vom Nordkapp“. Okay – das hört sich ja schon etwas speziell an oder?  Entsprechend war auch die Reaktion von diesem Herren, der übrigens mit 60 begonnen hat zu biken und nun 70 ist. Er wollte dann noch ein Foto von uns und konnte es wirklich kaum glauben. Ich selber war beeindruckt wie fit dieser old man noch ist – das verspricht ja so einiges für Marcus und mich – hallejuia!

Wie kann es anders sein – die ersten Regentropfen kamen und wir zogen unsere leichten Regenjacken an. Leider frischte auch der Gegenwind auf – wir waren so bei Km 160 und immer noch auf Radwegen unterwegs, während auf der E6 ein riesen Verkehr herrschte.

Maximus hat im Verlauf des Tages immer mehr von sich hören lassen…… und dann bei Km 165 hebt Marcus wie aus dem nichts (der Leser stelle sich folgendes vor: es regnet, zwar noch leicht, doch wir beide sind bereits nass und es geht eine kleine Rampe hinauf) sein Hand und ruft: „Übung halt – jetzt werden die Hinterräder gewechselt“ Was geht da einem im Kopf vor, sei es bei dem, der diese Aktion startet und dem, der hinter her fährt? Es lasse ihm keine Ruhe dieses Geräusch und nun wolle er es wissen – gesagt, getan und Maximus hatte das Hinterrad „Lady X“. Und nun wissen wir es – es ist nicht das Chassis von Maximus, dass Geräusche macht, sondern die Nabe vom Hinterrad, denn nun tönte es bei Marcus. Problemanalyse nun defintiv abgeschlossen, Reparatur folgt.

Ist ein Problem gelöst, dann kommt meistens ein anderes – was auch diesmal so war, und zwar in Form von „Dauer-total-Regen“. Es goss aus Kübeln und zu allem Elend waren die Radwege zu Ende und wir mussten nun doch auf die E6. Die letzten 20 km hatte ich neben dem strömenden Regen auch immer noch die Gischt von Marcus Hinterrad im Gesicht – eine klassische Win-Win Situation 😉 Da ist man schön im Windschatten und dafür wird man einfach noch viel mehr nass – doch was soll’s irgendwann ist eh alles klatschnass und man will nur noch am Ziel sein. Ganz so einfach war die Routenwahl nicht, denn am Schluss hatten wir noch einen rund 4 km langen Aufstieg mit durchschnittlich 6% zu bewältigen und das mit fast 200 km in den Beinen. Auch das ging vorbei und bald standen wir vor unserem Blockhäuschen auf dem Camping. Wie immer und wie immer sehr geschätzt, war alles bereits im Häuschen und wir konnten sehr rasch unter die warme / heiße Dusche springen. Wir fühlen uns wirklich wie an der Tour de France – die Crew erledigt für uns alles und wir müssen uns nur auf das Radfahren konzentrieren – das nenne ich Service oder Unterstützung XXL.

Es ist nun 23h37 und es regnet immer noch draußen. Wir beide sind schon etwas „lind“ und freuen uns nun auf das Kajütebett und die wohlverdiente Nachtruhe – im Wissen wieder ein Erlebnis für unsere Analen, Kinder und vielleicht Enkelkinder, geschaffen zu haben.

Fazit:  Heute war es nicht nur chillig – nein! heute war es chilli con carne!

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2 Gedanken zu „Etappe 11 – gesponsert von Gemsay Generalplanungen AG – 203 Km / 2’134 Hm

  1. Andreas and Marcus – You have another week of experiences and memories. Today is Saturday and I find myself fully catching up on your adventures of the week. What for you is a moment by moment experience is for me a collection of captivating short stories with wonderful insights into the two of you, your incredible adventure and the places where you find yourselves. You do not ride alone. Your experiences are shared and encouraged by so many family and friends who vicariously (look it up) share the challenges and joy of your intrepid undertaking. Embrace the serendipity that will come each day; look for the window; and thanks for sharing your adventure. Cheers and sante to you both, my good friends.
    Stephen

    1. Hi Stephen
      Thank you very much for your thoughtful thoughts. Yes we do have a wonderful time and it is all about friendship and good vibes. This is only possible because we do have a great team around us, who is taking care for us all the time.
      After a very rainy stage we do chill-out at the hotel.
      All the best and thank you very much for your support out of the US, from my favorite town HINGHAM.
      Andreas & Marcus

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