Etappe 5 – gesponsert von Honegger Gottfried – 185 Km / 2’030 Hm

Start:                                                 09h00 Setermoen

Ziel (Ankunftszeit):                                18h30   Storjord

Fahrzeit im Sattel (Tag/Total):            6h55  / 30h18

Durchschnitt:                                   26.8 Km / Std

Gefahrene KM (Tag/Total)*:                185 Km / 849 Km

Absolvierte HM (Tag/Total)*:               2’030 Hm / 8’128 Hm

*Abweichungen zur Übersicht entstehen infolge Tunneldurchquerungen, die nicht aufgezeichnet werden

Erste Spontanspende, erste Fans am Strassenrand, warum mental Dämme brechen? 2. & 3. Panne – was läuft hier? Erste Benutzung einer Fähre.

Huch heute bin ich aber spät dran – es ist schon 23h30 und ich habe erst jetzt meine Notizen und Gedanken sortiert für das Schreiben – wie kam es dazu? Ich kann es bereits vorweg nehmen – es war ein wieder ein Tag für den es sich lohnt zu leben – einfach nur schön.

Franziska und Klaus haben sich offensichtlich auf die Fahnen geschrieben uns jeden Tag in irgend einer Form zu überraschen – was für ein cooler Vorsatz. Heute wurde das Frühstück auf einem Buffet serviert – „à la mode de Cabin’s“ (draussen vor den Cabins). Stellt Euch folgendes vor: Der Tag ist erwacht und der Nebel, der in der Nacht vom Fluss herauf gekommen ist, liegt noch über den Cabins, es ist knapp 10 Grad und wir kommen das Frühstück so serviert. Selbstverständlich mit frischem Kaffee und warmen Eiern – alles gekocht im Sprinter, unserem mobilen Hotel.

Um 09h00 ging es auf die geplante 185km Etappe, etwas wärmer angezogen und noch immer im leichten Nebel. Was ist nun los? Marcus scheint das linke Müsli vom Buffet erhalten zu haben und ich das von rechts, denn er hat Beine – ich glaube es ja gar nicht. Wie eine Nähmaschine fliegen seine Beine und er führt uns mit über 35 Sachen dem Fluss entlang. So nach einer Stunde fragte ich einmal nach wie es dann so da vorne laufe – Standardantwort von meinem copain: „was häsch, das häsch und es ist doch ein gutes Gefühl nach 2 Std. über 60 km auf dem Tacho zu sehen.

Habe gerade bei Ueli nachgefragt, ob er an einem Grossauftrag arbeite, denn ich habe seine Fotos noch nicht und es ist nun Mitternacht. Seine Antwort per SMS: „ Bin dran, etwas aufwendig“. Kann ich sehr gut verstehen, denn er hatte auch eine Überraschung für uns breit. Aus seinem Beifahrersitz hat er mit dem Stativ eine Konstruktion gebaut, so dass er uns beim Vorbeifahren, d.h. links Überholen, fotografieren und filmen kann – seht selber.

Da war es wieder – das Geräusch an meinem Maximus….. Marcus kann es sich nicht erklären und verspricht Besserung bei der nächsten Pause, die dann bei wunderbarem Sonnenschein nach 63 km, Nebeldurchquerungen, 9 Grad und 750 Hm, stattfand. Sofort ging Marcus ans Werk und ersetzte kurzerhand das beschädigte Tretlager unter den bewundernden Blicken von uns allen.

Etwas hinter der Marschtabelle ging es weiter und Maximus „schnurrte“ nur noch so vor sich hin und wir waren happy – denkste!!! Nächste Steigung und wieder begann es….. Lösung noch offen.

Wenn ich es schon von unseren Kampfgefährten habe – danke für die Namensvorschläge, die per dato eingegangen sind: Ludmilla, Somara, Spartacus, Silberpfeil, Pfnüdel, Göpf und King Kong – cool!

Nach einer Woche fernab von der Zivilisation ist es leicht befremdend in eine Stadt wie Narvik reinzufahren – ist noch ein spezielles Gefühl – wow Hochhäuser und soviel Verkehr (immer im Vergleich zu den sonstigen Städten in Norwegen).  Zum Glück waren wir sehr bald wieder draussen in der Wildnis und sogen diese, sich immer wieder verändernden Landschaften, rein.

Marcus war immer noch in der beneidenswerten Form und gab vorne Gutzi. Wenn es jeweils etwas runter ging, dann waren meine „Kilos-Fliehkraft“ immer sehr gefragt – big boy keep rolling.  Mittagessen war bei Km 125 geplant und so war auch unser Mindset, dh. alles in Körper und Geist ist auf diese definierte, magische Zahl ausgerichtet. Diese Fjorde und Berge sind fantastisch, wunderschön, nein einfach unbeschreiblich, doch so ab km 120 sieht man das nicht mehr, denn der Geist und Körper ist auf das Ziel fokussiert und die interne Tankanlage blinkt bereits rot!!!! Das ging mir so durch den Kopf und dann schaut mich Marcus bei der Ablösung an und spricht vom gleichen Phänomen – was sind wir nur für ein cooles Team – beide haben offensichtlich die gleiche Tankgrösse und -Anzeige. Aber es ist schon spannend, wie plötzlich mental die Dämme brechen und der Schmerz scheinbar überall zu sein scheint. Das sind dann die Momente, wo Dinge geschehen oder gesagt werden, die nicht Teamfördernd sind. Im Spass meinte Marcus: „heute Abend muss es eine scharfe Teamsitzung geben, das muss ein für alle mal geklärt werden 🙂 – ach ja wir sind mittlerweile bei Km 130 und der Mercedes ist nicht in Sicht.

Km 133 da steht er endlich, der Rettungswagen und alles ist vergessen und vor allem als wir den gedeckten Tisch sahen…… frische Lachsbrötli und Gurkennusssalat spezial – the burner. Beide füllten wir die Tanks für den Endspurt.

Kaum zu glauben – ein „Schleicher“ an meinem Hinterrad. Wieder Schlauchwechsel – es sieht nach einer Woche so aus, als ob ich in der Pannenstatistik verlieren werde….. In null Komma nichts war der Schaden repariert, der Mercedes auch vor Ort für das Aufpumpen – schon noch cool, wenn man einen mobilen Kompressor in der Nähe hat – danke Mercedes für die Weitsicht bei der Planung.

Ach ja, da waren ja noch einige Höhenmeter zu absolvieren. Unglaublich, wir bewegen uns immer zwischen 0 und 400 Meter über Meer und am Ende eines Tages wie heute summieren sich über 2’000 Hm – Zusammengefasst: „ zum Spässli no äs Pässli“

Die letzten 20 km waren eine Augenweide – Berge, Hügel, Wasser, Fjorde, Inseln und Brücken – sieht selber auf den Fotos. Ziel war der Hafen von Skarberget, um mit der Fähre zu übersetzen nach Bognes. Wow, was für eine Kolonne – wir trafen alle wieder an, die uns in der letzten Stunde irgendwo überholt hatten, als wir locker und lässig am Stau vorbeifuhren (darunter auch dem Mercedes und Ueli).

Ohne Gepäck erreichten wir Radfahrer das Hotel um 18h30 (auf den letzten 5 km begann es auch noch zu regnen – the full treatment for us), bezogen das Zimmer, duschten gemütlich, dehnten unsere Haxen und schauten TV. Es finden gerade die norwegischen Schützenmeisterschaften (Landesskytterstevnet)statt (ein riesen Event, der wir passiert haben), war der Grund für den Stau vor der Fähre.

20h15 waren wir wieder alle zusammen, genossen das Nachtessen und einmal mehr eine nachhaltige Gesprächsrunde.

Noch zwei weitere Highlights vom Tag. Dank meinem Platten musste Ueli etwas länger warten an seinem Spot für das perfekte Foto und da wurde er von einer jungen Familie angesprochen. Als wir dann vorbeirauschten sassen alle am Strassenrand (die filmende Mutter mit drei kleinen, strahlenden und winkenden Kindern) – unsere ersten Fan’s.

Weiter ging es beim Nachtessen, als uns ein älteres, englisches Töfffahrerpaar ansprach. Nach einem sympathischen Gespräch verabschiedeten wir uns und beim Weggehen drückte sie mir eine Spende in die Hände – die erste Spende in EUR – so lieb.

An dieser Stelle ein grosses Dankeschön an alle, die in die Tasten greifen und unsere Blog’s kommentieren. Es ist für uns am Abend immer ein totaler Genuss, diese zu lesen und zu merken, dass wir Emotionen auslösen. Natürlich hoffen wir, dass noch ganz viele unseren Worten folgen, sich erfreuen und ihren Tagesablauf anpassen (Aufstehen, Computer rauffahren, Kaffee rauslassen und dann Bloglesen).

Fazit: Berührende Momente und immer wieder Überraschungen unserer Crew. Der „Tank“ ist nicht endlos und das vor allem nach mehrtätigen Etappen.

Bildschirmfoto 2016-08-05 um 22.44.09

4 Gedanken zu „Etappe 5 – gesponsert von Honegger Gottfried – 185 Km / 2’030 Hm

  1. Euer Blog liest sich extrem spannend, Eure Leistung ist äusserst beeindruckend, chapeau! Und alles für einen guten Zweck. Franziska und Klaus legen die Messlatte für kommende Begleitteams hoch. Uelis Fotos sind wie immer Spitze! Rundweg nur Freude, jeden morgen die Erlebnisse in der guten Stube beinahe live mitzuerleben und die Schnappschüsse zu geniessen. Macht weiter so und eins ist sicher: je mehr Ihr Euch Gibraltar nähert, umso wärmer wird es =).
    Ich freue mich auf Le Havre!
    PS: Warum soll ich Französisch büffeln, wenn Marcus bilingue ist !

    1. Hallo Alex
      Ja wir haben es super und jeder Tag ist ein Abenteuer für und und die Begleitcrew, die einen super Job macht.
      Ich bin ganz sicher, dass ihr es auch „schränzen“ werdet.
      Sportliche Grüsse
      Andreas

  2. Habe heute zum ersten mal eure Zeilen gelesen. Ja, da kann man nur sagen, toll was ihr da leistet und lebt. Wünsche euch beiden und dem ganzen Team, weiterhin viel gutes und schönes mit grossem Erfog, – „Bravo“

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