Etappe 6 – gesponsert von Roger Meier – 158 Km / 2’510 Hm

Start:                                                   10h15 Storjord
Ziel (Ankunftszeit):                         17h15 Fauske
Fahrzeit im Sattel (Tag/Total):       6h45  / 37h03
Durchschnitt:                                  26.2 Km / Std
Gefahrene KM (Tag/Total)*:      158 Km / 1’007 Km
Absolvierte HM (Tag/Total)*:       2’510 Hm / 10’638 Hm

 *Abweichungen zur Übersicht entstehen infolge Tunneldurchquerungen, die nicht aufgezeichnet werden

Der Tunneltag – eine neue Erfahrung– erwarte das Unerwartete – Besuch aus Schweden

Draussen scheint die Sonne und ich sitze am Frühstückstisch – nein keine Angst, so lange habe ich nicht am Blog geschrieben….. Gestern Abend, war ich einfach zu müde und mein body Marcus hat mir auch ins Gewissen geredet: „He! Du kannst nicht bis um 02h15 am Blog schreiben und dann glauben Leistungen dieser Art Tag für Tag abrufen zu können. Wir brauchen den Schlaf – mindestens 7 Std pro Nacht.“ Da hat er natürlich mehr als nur Recht und das habe ich dann auch gemerkt unter dem Tag – mehr darüber später.

Sehr gerne betone ich an dieser Stelle, dass mir das Schreiben grosse Freude bereitet, mich entspannt, mir die Möglichkeit gibt den Tag auf eine gute Art zu verarbeiten und last but not least, unseren Familien, Freunde und Followers, die Möglichkeit zu geben, das tolle Abenteuer so hautnah wie möglich zu begleiten. Das erklärt die Verspätung und ich hoffe alle vergeben mir, denen ich das Morgenritual etwas durcheinander gebracht habe, doch ich gehe davon aus, dass ihr sowieso ausgeschlafen habt.

Wir gingen den Tag bewusst etwas chilliger an, frühstückten im Hotel und fuhren erst um 10h15 los – es stand ja nur eine „Überführungsetappe“ an, so zumindest bezeichnete Mägi (Marcus) die 158 Km, die uns vor dem ersten Ruhetag trennten.

Heute Morgen erhielt ich vor der Abfahrt ein SMS. Mein lieber Freund Stefan Wilda, der sehr viel Zeit in Schweden (so auf der Höhe von Mo i Rana, in Övre Sandsele) verbringt und die Gegend kennt – mit folgendem Inhalt: „heute habt ihr ja ein paar Höhenmeter vor Euch, ist ja schon fast ein Alpenbrevet oder der Skandic-Mountain-Challenge“. Ehrlich! Ich dachte, dass er sich lustig macht über uns, ABER! Er sollte Recht behalten.

Es war verhangen und knapp 10 Grad warm / kalt. Irgendwie lief es mir nicht so rund, der Tritt wollte nicht so richtig kommen und nach 15 Km kam dann erst noch das erste Routen-Spässli – ein kleines Pässli. Wie bereits erwähnt, wir sind hier nicht in den Alpen, sondern bewegen uns ständig zwischen 0 und 400 müM.  Genau so ein Spässli war es – ein 350 Hm-Spässli. Warum war mir nicht ums Lachen? Wahrscheinlich weil meine Beine ständig Notsignale sandten – who knows? Oben bist du ja dann immer irgendwann und unten leider noch viel schneller. Was dann kam, war viel zermürbender – the rolling hills, ein „Wellenblech“, ein „Sägeblatt“ (für alle nicht Velofahrer: kehrt eine Säge um, schaut was ihr sieht und euch ist der Begriff klar) Ständig ging es rauf und runter – da eine kleine Bodenwelle von 10-20 Hm, mit einer Steigung zwischen 5%-10%, gefolgt von einer Abfahrt und schon kam die nächste. Ein Rythmus finden? Keine Chance – im Gegenteil – das „Sich-Leid-tun“ findet einem. Wir kamen nicht vorwärts – gurkten so vor uns her und fragten uns, was der Tag noch so für uns bereit hat…….. oh noch sehr viel – nichts von dem was wir erwartet hatten, eben das Unerwartete.

60 km, wir folgen den Ufern eines See’s und da steht der Sprinter – hallejuia – kurz durchschnaufen und mental durchlüften (der Tacho zeigte bereits 850 Hm an – soviel zu einer lockeren Überführungsetappe). Was haben sie sich heute für uns ausgedacht?  Es war aufgedeckt an der Beach, mit Blick aufs Wasser und sitzend im Sandstrand (vgl. die Fotos).  Wer will da nicht sitzen bleiben und es sich einfach gut gehen lassen? Ja wir zwei Dummen. Nach 20’ ging es weiter, wohl gestärkt, doch sehnsüchtig. Als ob der Landschaftsgärtner auf uns gewartet hatte, denn nun ging es los mit den grossen  „Spässli“ und den Tunnels – bis um 15h00 (Mittagshalt bei Km 110) sind schon fast 2’000 Hm erklommen und 12 Km Tunnel passiert.

Die Tunnels! Per dato haben wir uns nicht so wirklich foutiert, ob nun ein Verbotsschild stand oder nicht, denn eine Umfahrung kam uns nie so wirklich gelegen und auch nicht immer haben wir die Schilder gesehen……

Da standen wir nun vor einem Tunnel und bei der Anfahrt sah ich ein Schild mit der angegebenen Umfahrung – ein Killer. Mägi meinte nur: „ja wollen wir nun etwas Neues anfangen und da müssen wir ja voll über den Berg“. Entscheid – wir greifen den Tunnel an. Ach ja, da war noch das Warnschild. „Gas in tunnel“

Wir fahren rein und so gleich beginnt die Steigung – wie sich herausstellte, immer zwischen 5%-8%. Irgendwie haben wir nicht mitbekommen wie lange der Tunnel ist. Die gute Nachricht: Maximus und Mr. X (der Namen fehlt ja noch) haben hinten und vorne Licht.

Mägi übernahm die Führungsarbeit (er ist ja auch unser Bergfloh) und ich hatte nur ein Ziel – das Hinterrad nicht zu verlieren. Dieser Tunnel ist 5 Km lang und geht einfach kerzengerade durch den Berg hoch – man sieht die Lichter ewig auf einem zukommen. Es ist ein ganz spezielles Erlebnis, wenn man die Frontlichter auf sich zukommen sieht, von einem schwach beleuchteten Tunnel umgeben ist und man nichts hört, ausser dem eigenen Atem und dem Geräusch der Fahrräder. Plötzlich kommt dann das Rauschen vom Luftzug, der durch das Auto so vor sich „her gedrückt“ wird, gefolgt vom Fahrgeräusch der Räder. Beim Passieren wird es dann laut und bald herrscht wieder totale Stille. Noch nie in meinem Leben bin ich so schnell einen Berg hinauf gefahren und schon gar nicht in einem Tunnel. Das war wohl ein Adrenalinkick – Kräfte werden frei und das Hirn ist fokussiert, bringt jeden Muskel dazu mit dem anderen zusammen zu arbeiten – da sind keine Ausnahmen mehr erlaubt – alle arbeiten am gleichen Ziel.

Ganz ehrlich, beide waren wir sehr froh am anderen Ende heil herausgekommen zu sein – obwohl uns draussen Regen und 9 Grad erwartete. Nun waren wirklich sehr viele „Körner in den Beinen“ gefragt, da es munter rauf und runter ging und wir immer wieder durch Tunnels fuhren.  Auch das ging vorbei und mit einem big smile im Gesicht  erreichten wir die Begleiter Crew, die uns grossen Respekt für das Geleistete zollten. Sie seien in Gedanken bei uns gewesen und hätten uns wohltuende Gedanken gesandt. Danke – wir haben es gespürt und geschätzt. Trockene und wärmere Kleider waren angesagt für den Endspurt. Und da war noch das Menue surprise von Franziska (sieht Blog). Wie sich herausstellte waren das richtige „Beinöffner-Brötli“, denn Mägi entwickelte einen Power auf der Weiterfahrt – unheimlich. Die Km wurden „gefressen“ und ich fand mich mitten im aktiven Überlebenstraining am Hinterrad von Mägi. Das macht eben ein gutes Team aus, wenn man voneinander profitieren kann.

Die letzten 6 Km zogen sich dann aber wieder für uns beide. Plötzlich war das Sitzen eine Herausforderung, die Kälte schlich sich durch die verschiedenen Schichten und das Ziel wollte einfach nicht kommen. Der Leser weiss – das Ziel kommt immer.

Das war auch ein Tag für Ueli – viele gute Impressionen gaben wir Fotomodels ab – Lachen, Leiden, Regen, Tunnels usw. und dann war da noch die Möwenattacke. Ueli war wohl zu nahe an einem Nest auf der Suche nach dem perfekten Foto und das schätzten diese wohl nicht so.

Nach dem ausgiebigen Nachtessen erhielten wir Besuch von Stefan Wilda (er mit dem SMS vom Morgen) und Luca, die extra für uns mehr als vier Stunden Anfahrt auf sich genommen haben. Zusammen haben wir viel gelacht und „Räubergeschichten“ ausgetauscht – herrlich.

Nun geniesse ich den ersten Ruhetag in vollen Zügen, lasse die erste Woche (mehr als 1’000 gefahrenen Km, über 10’000 Hm und unbezahlbaren Erinnerungen) Revue passieren. What a great week!

Fazit:  Höhenmeter – Tunnel – Regen – angereiste Freunde

Bildschirmfoto 2016-08-06 um 19.05.20

Bildschirmfoto 2016-08-06 um 19.03.21

6 Gedanken zu „Etappe 6 – gesponsert von Roger Meier – 158 Km / 2’510 Hm

  1. dear icy & mägä! geniesst den höchstverdienten ruhetag und sportliche gratulation zu euren eindrücklichen ersten 1000km+ … ich würde euch etwas unterschlagen, wenn ich euch hiermit nicht mitteilen würde, dass mich das JMZfever schon wieder voll gepackt hat und mein linker arschbacken (wie das müesli von mägä 😉 sich nach dem sattel sehnt! einfach super und wenn ich das wunderbar vorbereitete essen jeweils betrachte, die super photos, der tolle begleitbus … JMZ lebt volle kanne! all the best tough riders for the next 1000km+ und danke für super live-feeling … ralph & ich werde heute abend auf euch anstossen, er kommt kurz vorbei. best Bi/DI

    1. Hallo Bidi

      Soooooo cool zu Chillen und es einfach zu geniessen – danke Dir für die aufmunternden Worte, wenn einer weiss wie gut diese tun, dann sicher Du!
      Es ist super cool on the road, wenn es auch ab und zu etwas weh tut, doch das Blogschreiben „heilt“.
      Prost heute Abend und all the best auch an Ralph.
      Mägi und ich werden sicher auch auf Euch anstossen heute Abend.
      Viva
      Icy & Mägi

  2. Ciao zäme
    Chapeau wie ihr das angeht! Neben einer guten Zeitung gehört euer Blog zu meiner täglichen Pflichtlektüre – Supersache und so geschrieben, dass man richtiggehend mitfühlt. Teilt eure Kräfte weiterhin gut ein und habt weiterhin viel Spaß!
    All the best
    Roger

    ==> und zum Schluss noch dies: „Ich lieb die Berge, aber die Strapazen erfüllen mich zutiefst mit Hass, also versuche ich das Leiden kurz zu halten.“ – Marco Pantani, Rekordhalter für den schnellsten Schlussanstieg nach L‘ Alpe d’Huez (37min)

    1. Hallo Roger
      Danke für die Blumen – ja wir werden es einteilen, denn sonst werden wir eingeteilt…..
      Das Motto von Pantani nehmen wir „sauber“ zur Kenntnis und bleiben bei Isostar.
      Sportliche Grüsse
      Andreas & Mägi

  3. Liebe Freunde
    Mit grosser Begeisterung für euer Abenteuer lese ich jeweils um 06.00uhr euren Blog…heute zwar mit Verspätung, jedoch mit gleichviel Spass und „Mitgefühl“.
    Lasst euch treiben von den herrlichen Impressionen und dem Gedanken….es geht ja nur abwärts Richtung Gibraltar

    1. Hallo Markus

      Sorry für die Verspätung……. werde mich wieder bessern 🙂
      Und das mit dem Abwärts vom Norden in den Süden – also ich erlebe es nicht immer ganz so.
      Sportliche Grüsse
      Andreas & Mägi

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