Start: 08h45 La Rochelle
Ziel (Ankunftszeit): 18h00 Bordeaux, Le Taillan
Fahrzeit im Sattel (Tag/Total): 7h43 / 166h52
Durchschnitt: 26.7 Km / Std
Gefahrene KM (Tag/Total)*: 206 Km / 4’512 Km
Absolvierte HM (Tag/Total)*: 727 Hm / 38’365 Hm
Angesagt: 165 Km – gemacht 207 Km – wer hat hier gerechnet? Weinstrasse im Bordeauxgebiet – ein Traum, wenn man einmal dort ist. Happy Familientreffen von Marcus
Gemäss den heutigen News wird Bordeaux die Stadt sein mit den höchsten Temperaturen von ganz Frankreich – erwartet werden 37 Grad und da wollen wir wirklich hin und das noch mit den nicht-klimatisierten Rennräder???? Okay, die beiden Routenplaner Marcus und Alex berechneten eine Etappe von 165 km. Es kam noch besser, denn an der Hotelreception wurde uns ein noch kürzerer Weg nach……
Oh wie cool, ich sitze hier in meinem Zimmer, bin am Blogschreiben und da fliegt mir doch eine kleine Fledermaus um die Ohren. Wow, so nahe habe ich noch nie eine gesehen und ich bin sicher, das ist ein super Ohmen – danke für deinen Besuch mein kleiner Freund (ist soeben aus dem offenen Fenster verschwunden).
……. sorry für den kleinen Einschub. Wo war ich? Ach ja beim kürzeren Weg bis nach Rochefort. Wir sind extra eine halbe Stunde als üblich losgefahren, weil wir wussten, dass wir in Royan eine Fähre erwischen müssen.
Zügig kamen wir voran und erreichten Rochefort wirklich super gut, doch dann fuhren wir doch tatsächlich einmal im Kreis – jänu, da ging unser kleiner Vorsprung flöten. Wie kann das nur passieren? Wir sind ja schon super Helden.
Wir fuhren in Royan ein und das zeitgleich mit der Fähre – super Timing. Die Crew stand bereits ready mit den Lunchbags für uns Athleten – was für ein super Service. So konnten wir auf der 20 minütigen Überfahrt etwas essen und drinken, hatten wir doch bereits 86 Km in den Beinen und heiss war es auch schon.
Mit dem ersten Meter im Département de la Gironde schien Marcus in seiner ersten oder zweiten Heimat angekommen zu sein. Er zeigte mir gleich einer der Strände, die er bereits als kleiner Junge besucht hatte. Ihr hättet sein Leuchten in den Augen sehen sollen – unvergesslich.
Marcus hatte eine klare Vorstellung über den restlichen Verlauf der Etappe, hatte er diese ja früher auch schon mit dem Auto befahren – ja mit dem Auto mein guter Freund……. Ich fragte ihn noch wegen dem evtl. Nachschub für die Bidons – ist keine Problem, wir können unterwegs in den kleinen Städtchen jederzeit kurz anhalten und etwas einkaufen…..
Jetzt weiss ich auch warum der Wind gestern wohl etwas länger gepennt hat, damit er heute Vollgas geben konnte und das tat er. Statt mit „Kette rechts“ Vollgas geben zu können, mussten wir immer wieder auf das kleine Kettenblatt schalten, um so einigermaßen gegen den Wind aufkreuzen zu können. Und nun kammen sie – die Hitze und die 25 Km, die nur endlos flach sind und keinen Schutz vom Wind bot. Nach einer Weile schaute ich Marcus etwas fragend an???? Marcus: „ja es wird bald besser wenn wir bei den Weingüter sind, da wird es Bäume und Alleen haben, die uns vom Wind schützen werden“. Das stimmt, aber erst nach eben diesen 25 Km. Ja diese Anfahrt auf der Weinstrasse hatte mein lieber Freund etwas anders in Erinnerung. Was ich ihm zu Gute halten muss – er übernahm Verantwortung und führte einen heroischen Kampf mit und gegen den Wind.
Wir alle kennen folgenden Satz aus der Werbung von Medikamenten: „Zu Risiken und Nebenwirkungen, lesen sie die Packungsbeilage oder fragen sie ihren Arzt oder Apotheker“ – Was wäre wohl heute in der Packungsbeilage gestanden oder was hätte der Arzt uns empfohlen? Fahrradfahren in dieser Hitze (mittlerweile 33 Grad und Wind wie in einem Backofen) – könnt ihr vergessen – abgelehnt – Übungsabbruch, zuviele Risiken und Nebenwirkungen. Leider keine Option für uns – also weiter.
Während dem Fahren ist die Haut immer schön trocken und man schwitzt gar nicht – danke lieber „Windföhn“. Hält man aber an, dann passiert folgendes: Grosshirn an alle Pumpstationen: „sofort kühlen, was ist das nur wieder für eine Sauhitze heute – das ist ein Notfall sofort, ich betonne! Sofort runter kühlen.“ Und dann stehst du da und es läuft dir nur so runter.
Nun zum Getränke-Nachschub: kein Städtchen auf den ersten 70 Km hatte einen offenen Laden oder ein Restaurant – super Mr. Tourguide. Die Bidons bereits leer und keine Ende von Hitze und Wind in Sicht. Lösung: Notfallnummer einstellen und innert 15’ war die JMZ-Rettungscrew vor Ort.
Und dann kamen sie, die Weingüter und Marcus hatte wirklich nicht zu viel versprochen. Wunderschöne Güter, Reben so weit das Auge reicht und ein Marcus, der über jedes Gut etwas zu erzählen wusste, primär wie super gut dieser und jener Wein ist. Und ja, nun waren wir vom Wind geschützt……
In Städtchen Pauilac offerierte Marcus uns allen ein grosses Glacé und je zwei Cola’s – wie super gut war das denn. Alex und Werner hatten heute unterwegs den Sprinter in einer Waschanlage wieder auf Hochglanz gewaschen und poliert und das ist doch eine Glacebelohnung wert oder?
Ich schaute auf meinen Tacho: 166 Km – oh wir sind ja bereits am Ziel – denkste es fehlen noch 40 Km – was ist hier nur schief gelaufen? Spielt eigentlich keine Rolle, denn Bordeaux le Taillan ist noch nicht da, also Schnauze halten und pedalen…..
Es folgten weitere Weingüter, die wirklich eine Augenweide sind und so vergingen die 40 Km im Fluge. Wir biegen in einer der Strassen in Le Taillan ein und da kommt uns ein Teil von Marcus Familie ebenfalls mit Fahrräder entgegen. Was für eine herzliche Begrüßung und Tatie Coco mit 81 Jahren, wollte gleich ein Rennen machen. Gibt es etwas Schöneres als von einer Familie so empfangen zu werden? Zusammen fuhren wir die restlichen Meter und dann ging es los mit Apéro, kurzer Abkühlung im Pool, über zur Vor-, Hauptspeise, Käse und Dessert. Zu zwölft sassen wir zusammen am Tisch und sprachen mit Händen und Füssen, denn mein Französisch ist etwas eingerostet und gehört bekanntlich nicht zu meinen lieblings Sprachen….. Was für ein super toller Abend und was für eine Gastfreundschaft – danke Euch allen.
So nun Ruhetag in Bordeaux – uns wird es sicher nicht langweilig, doch zuerst noch dem kühlenden Wind etwas zuhören und dann schlafen.
Fazit: Die meisten sind am Ende der Weinstrasse körperlich schwerer und finanziell leichter – bei uns ist es gerade umgekehrt – zu viel geschwitzt beim Kampf gegen Wind und Hitze. Die speziellen Erinnerungen und Empfindung von Marcus bei seiner Familie.













































































